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6.12.14 22:05


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Meine Woche im Township

Halllo Hinter mir liegt eine ziemlich anstrengende Woche. Fange ich mal beim letzten Wochenende an. Da waren wir in einem Strandhaus von südafrikanischen Freunden, die meine Zimmermitbewohnerin hier kennen gelernt hat. Ich dachte ja, dass die Jungs beim Erzählen übertrieben haben, haben sie aber nicht. Das Ding war sooo riesig und das ganze Wochenende war total wie im Film, ganz komisch.. hab mich irgendwie nicht so wohl gefühlt. Ich kann das nicht so gut erklären, aber irgendwie hat es mich geärgert, dass so viel Geld in so etwas verschwendet wird, wo es doch an anderen Stellen im Land viel dringender gebraucht wird.. Zum Beispiel im Township Blikkiesdorp, in dem wir letzte Woche gearbeitet haben. Da die Examen in der Schule vorbei sind und die Schüler nur noch teilweise kommen um versäumte Arbeiten nachzuschreiben, bekamen wir die Möglichkeit mal etwas anderes zu sehen. Auf dem Weg nach Blikkiesdorp wussten wir nicht was uns erwartet, da die Entscheidung des Schulleiters (der soooo verscheckt und unorganisiert ist!) mit uns dorthin zu fahren, erst sehr spontan fiel (Wir hatten auch nur ein Auto, in dem wir dann mit fünf Leuten hinten auf der Ladefläche saßen). Daher wurde uns beim Anblick der über tausend Blechhütten etwas mulmig. Wir sind dann einmal quer durch das Township gefahren, bis wir vor einem großen, weißen Zelt standen. Den nächsten Schock bekam ich, als ein kleiner Junge (ich glaube noch nicht mal zehn Jahre) auf mich zukam und mir meine Uhr wegnehmen wollte. Als ich sie dann ausgezogen habe um sie in meinen Rucksack zu stecken, hat er mich zweimal nicht grade zimperlich in den Bauch geboxt. Ich habe mich seehr unwohl dort gefühlt und war ziemlich froh darüber, dass wir dann einer Gruppe aus North Dakota vorgestellt wurden, mit der wir in den nächsten Tagen zusammenarbeiten sollten (Die Männer waren Ex-Soldaten und sahen ziemlich angsteinflößend aus, deshalb hab ich mich direkt sicherer gefühlt..). Das Programm sah so aus: Die ersten beiden Tage fand ein Schweißkurs für die Jugendlichen statt, um ihnen eine Perspektive und bessere Chancen auf einen Ausbildung zu geben. Ich habe erst mit den Jugendlichen gesprochen und auch selber ein bisschen schweißen versucht (Aber selbst der Ex-Soldat hat am Ende gesagt, dass ich horrible war, nachdem ich ihm gesagt habe, er müsse mich nicht anlügen, was meine Schweißkünste betrifft). Naja, daraufhin habe ich mich ausgeklinkt und bin in die Hütte der Frau gegangen, in deren ‚Vorhof’ der Kurs stattgefunden hat. Auf das was mich dort erwartet hat, war ich nicht vorbereitet. Niemand der so was nicht vorher schon mal irgendwo gesehen hat, wäre darauf gefasst gewesen, was ich dort erlebt habe. Sie hat mir ihre Hütte gezeigt. Es gab keine Fenster und es gab nur etwas Licht, da die Tür offen stand. Die Luft war soo stickig und überall waren Fliegen. Es gab zwei Räume, die mit einem alten Teppich ausgelegt waren, eine Matratze die an die Wand gelehnt wurde (da man sich sonst nicht hätte bewegen können), ein Tisch mit Radio, ein leeres Regal, ein Sessel und eine Plastikwanne mit abgestandenem Wasser. Ich kann euch jetzt noch mehr beschreiben, aber man kann es sich eigentlich nicht vorstellen, wenn man es nicht selber gesehen hat. Tja und dann hat die Frau, ihr Name ist übrigens Hester, angefangen zu erzählen. Sie lebt schon ihr ganzes Leben in Townships und musste sich immer um alle ihre Geschwister kümmern, wozu sie aber nie die Möglichkeiten hatte. Sie hat gesagt, dass sie schon immer mit allem überfordert gewesen sei und schon so viel in ihrem Leben verloren hat aber, dass sie nie die Hoffnung aufgibt auf ein besseres Leben. Sie betet sehr viel und ich glaube, dass Gott das Einzige ist, woran sie sich noch festhalten kann. Ihr Mann ist vor kurzem gestorben und sie hat gesagt, dass sie sich weder tagsüber noch nachts sicher fühlen kann, weil sie immer der Gefahr ausgesetzt ist, von Gangs ausgeraubt oder überfallen zu werden. In Südafrika nimmt die Bezeichnung Gangster noch mal eine ganz andere Dimension an.. Sie war mal blind, aber irgendjemand hat ihr wohl Geld für eine Augenoperation gespendet, das hab ich nicht ganz verstanden, jedenfalls hat sie immernoch ziemliche Probleme mit den Augen. In ihren Regalen stehen zwar Behälter, aber die sind alle leer und sie hat über Hunger gesprochen und darüber, dass sie in ihrem Leben schon viel zu viel verloren hat. Ihre Schwester wurde vor dreizehn Jahren, glaube ich, entführt und ist nie wieder gefunden worden.. ich habe sie die ganze Zeit am Arm gestreichelt und dann irgendwann in den Arm genommen und dann hat sie so sehr angefangen zu weinen und das war glaube ich das krasseste was ich je erlebt habe weil ich mir auf einmal so unglaublich hilflos vorgekommen bin. Ich glaube Alex und ich waren drei Stunden bei ihr und haben mit ihr gesprochen und sie war so dankbar, obwohl wir eigentlich gar nichts gemacht haben, außer ihr zuzuhören und Mut zuzusprechen. Am Ende des Tages haben wir dann noch für alle Sandwiches gemacht und die Gruppe der Jugendlichen ist immer mehr gewachsen, was mich sehr gefreut hat. Ich war aber mit den Nerven völlig blank und wollte nur noch nach Hause. Also nach Hause nach Hause. Das Ganze zu sehen und Hesters Geschichten zu hören, hat mich so fertig gemacht. Das war irgendwie alles einfach zu viel auf einmal und es hört sich total gemein an, aber ich war froh, als wir dann gegen drei wieder zur Schule gefahren sind und ich das ganze ein bisschen hinter mir lassen konnte..habe zuhause auch noch mal mit Alex und den Mädels drüber gesprochen, denen es auch nicht so gut ging. Das hat ganz gut getan. Aber so was bleibt einfach im Kopf.. Die nächsten Tage dort waren besser, weil ich mich darauf vorbereiten konnte. Am Mittwoch haben wir uns am Anfang viel mit den Kindern beschäftigt. Sie sind sehr süß und auch sehr dreckig, aber das stört sie gar nicht. In der Kirche befindet sich eine Art Kindergarten, wo viel gesungen und getanzt wird. Wir haben den Kindern dann „Head and shoulders, knees and toes“ beigebracht, dieses Lied, wisst ihr? Das fanden die cool und „Hoppe Hoppe Reiter“ und so was alles. Es hat sehr viel Spaß gemacht, weil die Kinder alles dankend angenommen haben. Dann haben wir Sehtests mit den Erwachsenen durchgeführt. Christina und Ich haben erst die Registrierung gemacht (Wir mussten Fragen zu Name, Alter, Adresse und so stellen und fragen wo die Probleme beim Lesen lägen und so weiter) und später auch die Sehtests selber geleitet. Also es gab sechs verschiedene Stärken und wir mussten halt für jeden die richtige Brille finden. Es war ein gutes Gefühl, endlich mal etwas so bedeutendes zu machen und die Männer und Frauen haben sich am Ende so über ihre neue Lesebrille und Sonnenbrille gefreut, das war echt schön zu sehen. Hester war auch da und sie hat mich direkt wieder umarmt und sich für die Brille bedankt, da war ich echt glücklich. Sie sah auch schon viel besser aus als am Montag. Nachmittags gabs dann immer noch ein Programm für die Kinder, wo wir mehr oder weniger als Animateure aufgetreten sind, aber die Kids hatten Spaß. Es ging viel um Jesus und um Gott aber es wurde auch viel gesungen (aber eigentlich auch nur über Gott :D) Naja, das ist hier halt anders, wir beten auch immer vor dem Essen. Donnerstag war es dann noch mal genau das gleiche, wir haben insgesamt über 180 Brillen ausgeteilt! Am Freitag sind wir dann noch ein letztes Mal nach Blikkiesdorp gefahren um Essen an die Kinder zu verteilen. Die Köchin an der Schule kocht immer jeden Freitag und wir fahren dann ins Township um die Dosen der Kinder zu füllen mit denen sie immer Schlange stehen. Chris und ich haben den Fehler gemacht, Luftballons zu verteilen, was etwas ausgeartet ist, weil es einfach zu viele Kinder waren, sodass wir schließlich aufhören mussten, aber aus Fehlern lernt man ja bekanntermaßen und die Kinder haben sich trotzdem gefreut auch wenn es sehr chaotisch war.. Das Essen austeilen an sich lief aber viel gesitteter ab, als ich dachte, denn obwohl alle Kinder Hunger haben, haben sie geduldig gewartet bis sie dran waren. Jedenfalls war diese Woche eine ziemlich krasse Erfahrung und die ersten Tage wollte ich wirklich nach Hause, aber mittlerweile habe ich das Ganze besser verarbeitet und auch irgendwie ein gutes Gefühl, weil ich weiß, dass wir dort vielen Erwachsenen geholfen und auch den Kindern etwas Zuneigung und Liebe geschenkt haben, die sie im Alltag sonst vielleicht nicht so häufig erleben.. Das Wochenende war sehr entspannt. Freitag war ich mit Chris bei den Nachbarn zum Essen eingeladen (Es gab selbstgemachte Spätzle und Schnitzel) und es war noch ein befreundetes Ehepaar zu Besuch. Der Mann hat uns ein Foto gezeigt, wo er Nelson Mandela die Hand schüttelt, mega cool!! Danach sind wir noch in die Stadt gefahren und haben uns in eine gemütliche Lounge gesetzt und einfach ein bisschen gequatscht. Außerdem haben wir unseren Trip auf die Garden Route geplant, den ich mit Alex, Christina, Mark und Sonja 17.12.-23.12. unternehme. Ich freu mich schon voll, das ist echt ne entspannte Truppe. Christina spielt auch Volleyball, aber in der Damen Oberliga, dagegen bin ich leider ein Witz :D Heute waren wir dann am Strand, es ist es komisch, wenn ich mir vorstelle, dass ihr da drüben Nikolaus feiert heute (Fröhlichen Nikolaus an dieser Stelle <3) und ich kanns irgendwie noch gar nicht richtig glauben, dass ich hier am anderen Ende der Welt bin..wuhuuu. Wir waren insgesamt zu neunt und haben noch zwei Jungen aus dem Waisenhaus mitgenommen, die in die Schule gehen, in der Mark arbeitet. Die waren total geflasht vom ganzen Tag und den ganzen neuen Eindrücken.. Wir hatten aber sehr viel Spaß, haben Fußball gespielt und Volleyball (Chris) und uns gegenseitig komplett im Sand vergraben, also nicht den Kopf aber den Rest :D Und ja, jetzt liege ich in meinem Bett und werde gleich schlafen gehen, weeeeeeil ich mich dazu entschieden habe, dass morgen mit dem surfen doch mal auszuprobieren, auch wenn ich ein bisschen Schiss habe :D Drückt mir die Daumen!! Gute Nacht, hoffe ihr hattet einen schönen Nikolaus-Tag <3
6.12.14 22:02


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